„Wir sollten verschweigen, dass wir verheiratet sind“

Frauen gründen deutlich seltener als Männer. Ist es gar ein Start-up aus der Tech-Szene, nimmt ihr Anteil noch weiter ab. Stefanie Langner ist diesen Schritt trotzdem gegangen, bereut hat sie ihn nicht. 

Es ist noch recht früh am Morgen, als sich Stefanie Langner vor ihren Computer setzt. Die Gründerin von Leankoala aus Hamburg hat viel zu tun. Spätestens 2022 will das Start-up sein Produkt auch außerhalb der DACH-Region stärker vermarkten. Leankoala bietet ein einfach zu bedienendes Tool an, mit dem Nutzer ihre Webseiten optimieren, etwa für Suchmaschinen bis hin zu den Prozessen, die bei einer Onlinebestellung im Hintergrund ablaufen. Im Interview blickt Langner auf die ersten Jahre von Leankoala zurück und spricht über die Bedeutung von Netzwerken speziell für Frauen.

Frau Langner, als Frau in der Tech-Szene gehören Sie zur absoluten Minderheit. Woher kommt bei Ihnen die Begeisterung für das Thema? 

Ich war schon als Jugendliche von Computern fasziniert. Meine Familie stammt seit Generationen aus der Hotellerie. Als ich kurz vorm Abitur war, wollte ich unbedingt einen eigenen PC in meinem Zimmer haben. Das führte im Anschluss dazu, dass ich durch das Surfen die komplette Leitung des Hotels meiner Eltern belegt habe. Das gab ganz schön Ärger, denn die Gäste kamen nicht mehr durch, um zum Beispiel zu reservieren. Ich war bereits damals vom Internet und den digitalen Möglichkeiten total begeistert. 

Selbst im Hotelgewerbe zu arbeiten, kam für Sie nicht infrage? 

Ganz der Tradition folgend habe ich nach dem Abitur in der Spitzenhotellerie Hotelkauffrau gelernt und im Anschluss Hotelmanagement studiert. Danach bin ich in die PR gegangen. Als es mich dann nach Hamburg verschlug, wo wir auch heute unseren Firmensitz haben, habe ich meine Chance ergriffen ins Digitale einzutauchen, wo ich final auch hängen geblieben bin. Beim Immobilienportal Immonet.de von Axel Springer bin ich in den Bereich Vermarktung und Kooperationen eingestiegen. Das war genau mein Ding, denn es bedeutete auch enge Zusammenarbeit mit der digitalen Produktentwicklung. Mein Partner  war gefühlt schon immer Webentwickler und in der Szene sehr bekannt. Das hat mein Interesse wahrscheinlich noch zusätzlich angefacht und ich wollte auch in die Entwicklung wechseln. Ich habe mir dann selbst über Kurse ein bisschen Coden beigebracht. Ein bisschen was kann ich noch – würde aber auch heute immer noch nicht sagen, dass ich das sonderlich gut kann [lacht].

Im Anschluss haben Sie gemeinsam mit Ihrem Mann Leankoala gegründet, wie kam es dazu? 

Nils war vor unserer Gründung verantwortlich für das digitale Qualitätsmanagement bei Gruner+Jahr, sowie dem Bauer Verlag. In meiner Position auf der Gegenseite kannte ich nur zu gut, was es bedeutet, wenn digitale Angebote nicht einwandfrei funktionieren und es zu Umsatzeinbußen aufgrund fehlender Werbung oder. kaputten Seiten kommt. Das automatisiert und über eine Softwarelösung zu sichern, war der Startschuss für Leankoala.

Sie hatten dennoch Zweifel vor der gemeinsamen Gründung, warum?

Selbst stamme ich ja aus einem Familienunternehmen, weswegen mir sehr bewusst ist auf was man sich hierbei einlässt. Elementar ist meiner Meinung nach nur mit der richtigen Idee ein Unternehmen zu starten, in dem jeder seine Stärken einbringen und diese entfalten kann. Dies ist bei Leankoala definitiv der Fall. Zu Beginn war das nicht unbedingt einfach. Persönliche und berufliche Kommunikation und Zusammenarbeit unterscheiden sich eben und man darf sich dabei nicht auf diese Füße treten oder Sachen zu persönlich nehmen. Wir machen das aber schon eine Weile, sind ein eingespieltes Team und sehr erfolgreich in dieser Kombi.

Welche Vision haben Sie beide mit Leankoala

Unsere Vision ist, dass es nie mehr den Moment gibt in dem man merkt, dass Umsatz oder Reputation verloren gingen, weil die eigenen Webpräsenz nicht richtig funktioniert. Unsere Lösungen übernehmen dabei die 360°-Überwachung von Webseiten und sicheren ab, dass von Erreichbarkeit der Seite, über Kontaktmöglichkeiten bis zum Warenkorb technisch immer alles läuft. Damit man sich als Betreiber oder Betreiberin um das kümmern kann, was man am liebsten macht: Kunden beziehungsweise Nutzer glücklich machen, Umsatz generieren, Produkte entwickeln. Läuft etwas nicht wie es soll, schlagen wir Alarm. Diese Mission verfolgen wir mit unserem Profitool Leankoala für große Seiten und Portale sowie mit unserem neusten Produkt koality.io speziell für Webshops und Webseiten bereits seit drei Jahren.

Gegründet haben Sie Ende 2016. Geld haben Sie gleich zum Start durch das Programm InnoRampUp der Hamburgischen Investitions- und Förderbank bekommen. 2019 gab es noch eine Finanzierungsrunde in sechsstelliger Höhe. Wie schwer ist es für Sie, an Fördermittel zu kommen?

Das war in der Tat nicht so einfach. Uns wurde zu Beginn immer wieder extremst davon abgeraten zu sagen, dass wir verheiratet sind. Denn das führt bei Investoren offenbar zu Hemmungen. Die denken sich dann: „Was passiert, wenn die sich einmal privat zerstreiten, kann das Start-up das überleben?“ Ist eine Gründerin mit an Bord, stellen auch viele die Frage, ob sie nicht bald schwanger wird und was das für das Geschäft bedeutet. So eine Frage würde einem Mann nie gestellt werden. Ich bin mir absolut sicher, dass wir zu einigen Gesprächen gar nicht erst eingeladen wurden. 

Was haben Sie getan, um gegen solche Vorurteile anzukämpfen?

Als wir begonnen haben, unser Start-up aufzubauen, hatte ich bereits zwei Kinder und war in einer anderen Lebensphase als viele andere junge Gründerinnen. Die Frage, was ich machen würde, wenn ich schwanger werde, stellte sich bei mir also nicht. Aber ganz grundsätzlich gilt für Frauen: Selbstbewusst auftreten, auch wenn es schwerfallen mag. Wenn eine Frau zum Beispiel mit zwei Männern zusammen gründet, sollte sie beim Pitch die Hauptrednerin sein. So kann sie von Anfang an klar machen, welche Stellung sie hat. Ich weiß selbst, dass das vielen Frauen nicht leichtfällt und leichter gesagt als getan ist. 

Sie plädieren also für ein selbstbewussteres Auftreten. Wie lässt sich das erreichen?

Da hilft manchmal leider nur der Sprung ins kalte Wasser. Ich habe viel Selbstbewusstsein aus meinen Netzwerken geschöpft. Da wäre einmal das private, bestehend aus Kollegen, Mentoren, Gründerinnen wie Gründern sowie einer Reihe von Investorinnen und Investoren. Die lassen sich gut als Sparringspartner nehmen. Gemeinsam die eigenen Ideen und Herausforderungen durchgehen, das hilft sehr. Selbst ist es mir auch wichtig, andere zu unterstützen. Deshalb bin ich Ambassador für die Geekettes. Das ist ein inzwischen internationales Netzwerk von Frauen in der Tech-Szene. Auch dort unterstützen wir uns gegenseitig, indem wir uns regelmäßig vernetzen, challengen und Weiterbildungen anbieten. 

Warum engagieren Sie sich dort so stark? 

Ich bin der festen Überzeugung, dass Netzwerke uns Frauen extrem weiterbringen können. Ich will aber nicht einfach nur konsumieren, sondern auch selbst gestalten. Das rate ich übrigens allen Frauen: Engagiert euch. Das stärkt das eigenen Selbstbewusstsein, schafft viele neue Kontakte und hilft der Szene. Für all die Frauen, die das hier lesen und mal einen Tipp brauchen, meldet euch gerne bei mir. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person: Stefanie Langner gründete Ende 2016 gemeinsam mit Ihrem Mann zusammen das Start-up Leankoala. Das Unternehmen bietet ein Tool an, mit dem Nutzer ihre Webseiten optimieren. Langner gehört zu den wenigen Gründerinnen in der Tech-Szene. Im internationalen Netzwerk Geekettes hilft sie als Botschafterin anderen Frauen, sich in der Tech-Szene durchzusetzen.


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