So funktionieren Spacs

Börsenmäntel sind mittlerweile ein beliebter Weg für den Sprung aufs Parkett. Doch nicht immer sind sie für Start-ups auch der richtige Weg. 

Eine Special Purpose Acquisition Company (Spac) kann für Start-ups eine gute Abkürzung für den Börsengang darstellen. Weltweit suchen Hunderte Spacs nach dafür geeigneten Start-ups. Der Flugtaxi-Hersteller Lilium aus Weßling bei München ist zuletzt etwa über einen Spac an die Börse gegangen

Die meisten Spacs sind in den USA angesiedelt, auch in Deutschland gibt es mittlerweile einige dieser Börsenmäntel. Doch der so organisierte Börsengang kann auch schief gehen. Eine Übersicht, wie Spacs funktionieren und wann Gründer vielleicht doch lieber auf einen klassischen IPO setzen sollten. 

Was genau ist ein Spac?

Ein Spac ist ein Unternehmen, das mit dem Ziel gegründet wurde, eine andere Firma zu übernehmen und so an die Börse zu bringen. Diese Firma hat darüber hinaus kein eigenes Geschäft. Um die Übernahme stemmen zu können, sammelt der Spac Geld von Risikokapitalinvestoren, Hedgefonds oder anderen Unternehmen ein. Auch Privatinvestoren können sich an den Börsenmänteln beteiligen. 

In den USA sammeln Spacs zwischen 50 Millionen und zwei Milliarden US-Dollar ein, um damit entweder mit einer Firma zu fusionieren oder gleich mehrere zu übernehmen. Um ein geeignetes Übernahmeziel zu finden, hat der Manager des Spacs 24 Monate Zeit. Findet er zum Beispiel kein passendes Start-up, bekommen die Anleger ihr Geld zurück. Hat der Manager einen Übernahmekandidaten gefunden, können die Investoren noch immer von dem Deal Abstand nehmen und ihr Geld zurückfordern. 

Welche Vor- und Nachteile haben Spacs für die Investoren? 

Spac-Investoren machen, vereinfacht ausgedrückt, Gewinn, wenn sich der Aktienkurs der übernommenen Firma nach dem Börsengang verbessert. Doch dahinter steckt auch gleich das Problem: Steigt der Aktienkurs der übernommenen Firma nicht oder sinkt gar, machen sie Verlust. Investoren bleibt häufig nicht anderes übrig, als dem Spac-Manager zu vertrauen. Der muss ein gutes Gespür haben, ob sich eine Übernahme auch wirklich lohnt. Je länger er braucht, um ein geeignetes Unternehmen zu übernehmen, desto schlechter dürfte auch der Deal sein, den er abschließt. Kritiker befürchten, dass er eher eine schlechte Übernahme einfädeln wird, als das Geld zurückzuzahlen.

Es gibt derzeit Hunderte Spacs, die geeignete Kandidaten suchen, dass sie alle einen finden, dessen Kurse im Anschluss durch die Decke gehen, gilt als sehr unwahrscheinlich. Deshalb kommt auch immer wieder Kritik an Spacs auf. Im Interview mit Startbase gibt Gründer Nils Seelbach an, dass Spacs für ihn das Zeichen einer völligen Marktüberhitzung seien. Er würde Spacs lieber ganz verbieten.

Wann lohnen sich Spacs für Start-ups?

Börsenmäntel sind für junge Unternehmen eine Abkürzung auf die Börse. Über sie braucht es manchmal nur wenige Monate bis zum Sprung aufs Parkett. Denn das Start-up, das an die Börse möchte, muss nur mit dem Spac verhandeln. Normalerweise braucht ein Börsengang bis zu 18 Monate Vorbereitung. In einer Roadshow muss das Management im Normalfall sonst nach mehreren Investoren suchen. 

Ein Spac erlaubt es theoretisch Start-ups an die Börse zu gehen, die eigentlich noch gar nicht reif genug für diesen Schritt sind. Entweder weil sie noch keinen nennenswerten Umsatz haben oder im Zweifelsfall nicht einmal das Geschäftsmodell so richtig steht. Start-ups könnten einem Spac-Investoren auch mit zukünftig geplanten Umsätzen überzeugen. Bei einem klassischen Börsengang funktioniert das zumeist nicht, weil in dem Fall Investoren in der Regel nicht bereit sind, ein solches Risiko auf sich zu nehmen.

Wann sollten Start-ups auf einen Spac verzichten? 

Gründer sollten bedenken, dass sie bei einer Fusion mit einem Spac direkt eine ordentliche Portion ihrer Anteile an die Spac-Besitzer abgeben müssen. Das können bis zu 20 Prozent sein. Wenn die Anteilseigner der neu fusionierten Firma ihre Aktien direkt im Anschluss verkaufen, kann es im Übrigen zu einem fallenden Kurs kommen. 

Den erste Spac in Deutschland riefen im Juli 2008 der Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, Unternehmensberater Roland Berger und Ex-Banker Florian Lahnstein ins Leben. Nach dem sie sich dem Vernehmen nach rund 140 Unternehmen anschauten, fusionierten sie mit AEG Power Solutions. Doch der Stromversorgungsgeräte-Hersteller ging im nächsten Jahr pleite.

Solche Fälle können ein schlechtes Licht auf Spacs und auch auf Start-ups werfen, die auf einen Börsenmantel setzen. Schlimmstenfalls beschädigen sie den Ruf der gesamten Start-up-Branche, befürchten Kritiker. Junge Unternehmen sollten also genau hinterfragen, ob sie frühzeitig über einen Spac an die Börse gehen wollen, oder vielleicht doch warten, bis sie reif genug für einen klassischen Börsengang sind. 


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