„Das Umfeld erleichtert es Müttern nicht unbedingt“

Margarete Koch ist zweifache Mutter und Gründerin von mapadoo, einer Lernplattform mit Onlinekursen für werdende Eltern. Im Interview spricht sie darüber, wie es ist, als Mutter den Schritt in die Start-up Gründung zu wagen, welche Vorteile sich dadurch ergeben und wo es noch an Unterstützung mangelt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ihr Start-up zu gründen?

Ich bilde mich unglaublich gerne weiter. Eigentlich habe ich immer gerade einen Online-Kurs zu einem Thema, in dem ich etwas Neues lerne. Ich schätze hier ungemein die Freiheit, wann, wie lange und wo ich will zu lernen. Zudem bin ich sehr IT-affin und liebe digitale Innovationen. Als ich dann mit meinem ersten Kind schwanger war und überhaupt nicht wusste was jetzt auf mich zukommt, wollte ich mich zum Thema Baby erkundigen. Fundierte digitale Angebote sind hier aber leider Mangelware. Sachbücher und Vor- Ort- Kurse stehen im Vordergrund. Vor- Ort -Kurse sind schnell ausgebucht und wenn das Baby da ist, läuft man in die Herausforderung eine Kinderbetreuung organisieren zu müssen. Ein Notfallkurs für Babys, der mir sehr am Herzen lag, war ausgebucht als ich mich im im 4. Schwangerschaftsmonat anmelden wollte. Der nächste freie Platz war nach dem Entbindungstermin. Babys nicht erlaubt. Also ist mein Mann alleine hingegangen. 

Wie ging es dann weiter?

Damals ist bereits der Gedanke entstanden, dass es auf diesem Gebiet einen großen digitalen Nachholungsbedarf gibt. Erst in meiner zweiten Schwangerschaft, als ich wieder mit dem Problem konfrontiert wurde, ist der Entschluss gefallen, das selbst in die Hand zu nehmen. Während meiner Schwangerschaft habe ich an der Idee weitergearbeitet und dann auch meine Gründungspartner davon überzeugen können. 

Mapadoo ging im Jahr 2020 an den Start, mitten in der Coronakrise. Wie war es, in der Krise zu gründen?

Sicherlich gäbe es bessere Umstände. Formal war alles kein Problem. Was uns als Team fehlt, ist diese gemeinsame Startphase: . Gemeinsames Beisammensitzen, Brainstormen an Flips, Teambuilding, gemeinsames Lachen und einfach verrückte Ideen überlegen. Wir arbeiten seit Beginn unserer Firma remote. Das geht auch, aber ein „Wir“-Gefühl zu entwickeln ist in einem gemeinsamen Büro deutlich einfacher. Wirtschaftlich gesehen leiden wir nicht unter der Krise, eher im Gegenteil: Es buchen sicherlich Eltern einen Online-Kurs bei uns, den sie sonst eher vor Ort gemacht hätten. Auch die zunehmende allgemeine Digitalisierung und deren Akzeptanz ist für uns förderlich. Unser Geschäftsmodell ist eher ein Gewinner aus der Krise. 

Foto: mapadoo

Ihr Start-up mapadoo haben Sie während ihrer zweiten Schwangerschaft gegründet. Wie ist es, als Mutter zu gründen? 

Für mich ist diese Kombination perfekt. Ich bin maximal flexibel und kann unserer Familienleben und die Selbständigkeit so gestalten, wie wir es brauchen. 

Die Herausforderung als Mutter ist nicht die eigentliche Gründung an sich. Mütter sind es gewohnt, zu improvisieren und flexibel zu sein. Es ist eher das Umfeld und das Angebot, dass man als Mutter schwer wahrnehmen kann. Gründertreffen um 20 Uhr abends, nett, aber als Mama nicht drin. Mit so kleinen Kindern sowieso nicht. Ich mache gerade auch eine Weiterbildung in Verkaufspsychologie. Viele der Calls sind um 17:30 Uhr. Klar, passend für alle, die vielleicht nach ihrem Arbeitstag noch reinhören wollen. Als Mama fängt um 18 Uhr meistens das Abendprogramm mit den Kindern an. Das Umfeld erleichtert es Müttern nicht unbedingt. 

Welche Vorteile haben gründende Mütter?

Statistisch gesehen sind es die Mütter, die in die Elternzeit gehen. Diese Zeit ist ganz besonders. In der Elternzeit nimmst du Abstand von deinem bisherigen Job, wirst damit konfrontiert, dir über deine Prioritäten im Leben Gedanken zu machen, dein Kind spiegelt dir komplett deine Emotionen wieder und du wirst gezwungen, dir zu überlegen: Was möchte ich meinem Kind an Werten weitergeben? Welche Welt möchte ich für mein Kind? Wie möchte ich mitverantwortlich für die Ressourcenverwendung auf der Welt sein?

Was würden Sie sich für die Zukunft des Standorts Baden-Württemberg noch wünschen?

Ich war selber Studentin und Dozentin an der Uni Stuttgart und leider kam ich nicht einmal mit dem Thema Gründung in Berührung. Und ich habe BWL studiert. Das finde ich wirklich sehr schade. Ich würde mir hier mehr Aktionen wünschen, damit die Studentinnen und Studenten für das Thema Gründen sensibilisiert werden. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person: Margarete Koch hat ihren Doktor der Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsinformatik an der Universität Stuttgart absolviert. Während dieser Zeit war sie als akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik tätig und beschäftigte sich mit den Themen Business Intelligence, Big Data und Industrie 4.0. Nachdem sie fünf Jahre in der freien Wirtschaft als Projektmanagerin tätig war, entschloss sie sich zur eigenen Gründung. 


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