Dieses Trio will Gebärdensprache populär machen

talking hands entstand aus einem Studienprojekt und will ausgerechnet mit Daumenkinos ein großes Publikum erreichen. Die Idee entstand, weil die Schwester einer der Gründerinnen das Down-Syndrom hat. 

Jeanne-Marie Mohn möchte an diesem Tag nicht vor der Kamera sprechen und verschwindet in den Hintergrund. Die Kapuze des pinken Pullovers hat sie über den Kopf geworfen und packt eifrig Daumenkino um Daumenkino. Die Inspirationsquelle für das Start-up ihrer Schwester Laura Mohn und der Mitgründerin Maria Möller ist einfach ein wenig schüchtern an diesem Nachmittag. 

Jeanne-Marie hat das Down-Syndrom. Nicht immer fühlt sie sich wohl, wenn die Gespräche per Videocall stattfinden, erklärt Laura Mohn, die gemeinsam mit ihrer Co-Gründerin vor einer bunten Plakatwand im Keller der Eltern sitzt. Ein zweites Büro haben sie an der Goethe-Uni in Frankfurt, wo sie Teil des Förderprogramms „Unibator” sind. 

Im Oktober 2020 haben sie talking hands gegründet, ein Start-up, das mit Hilfe von Daumenkinos die Gebärdensprache populärer machen will, um so langfristig für eine bessere Inklusion zu sorgen. Dabei läuft pro Buch eine Gebärde wie ein kleiner Film ab. Kinder und Erwachsene sollen so Gebärden lernen können. Rund 10.000 dieser Daumenkinos haben sie seit Dezember 2020 bereits verkauft, 13.000 weitere liegen gerade in einer Druckerei. 

Laura Mohn und Maria Möller sind die Gründerinnen von Talking Hands. (Foto: Talking Hands)

Die Inspiration für all das war Jeanne-Marie, die schüchterne Schwester, die während des Videocalls ein paar Boxen zum Versand fertig macht, die sortiert und werkelt. Als Laura Mohn nach einer Abschlussarbeit für ihr Studium in Kommunikationsdesign suchte, kam sie dank ihrer Schwester darauf, dass es für das Erlernen von Gebärdensprachen zwar Karteikarten und Lernvideos gab, beides aber nicht optimal sei, nicht spielerisch genug, um es wirklich lernen zu wollen. „Das hat einfach keinen Spaß gemacht, oder man hat die ganze Zeit vor einem Bildschirm gesessen”, sagt Laura Mohn. 

Nach ein paar Wochen Recherche kam sie auf die Daumenkinos und ließ einige Prototypen produzieren und filmte Kinder in einer Kindertagesstätte (Kita) dabei, wie sie diese nutzen, um das bei ihrer Arbeit beilegen zu können. „Das Feedback der Kita-Leitung war sehr gut und ich wurde gefragt, ob ich das nicht auch für andere Kitas machen kann”, erinnert sich Mohn. 

In der Folge  gewinnt sie mit der Idee Preise, darunter den Future Award, und holt sich Freundin Maria Möller ins Boot. Gemeinsam gründen sie talking hands. Möller übernimmt heute die Organisation und Planung, während Mohn sich vor allen Dingen aufs Design und Jeanne-Marie aufs Verpacken konzentriert. 

„Nur wenn alle Kinder, ob mit oder ohne Behinderung miteinander kommunizieren können, schaffen wir Inklusion”

Maria Möller, Co-Gründerin von Talking Hands

100 Wörter haben sie aktuell als Daumenkino in Gebärdensprache umgesetzt, darunter Mama, Papa, Hilfe, Toilette und andere Begriffe, die Kleinkinder zu ihrem Wortschatz zählen. Verkauft werden sie zu je einem Drittel an Bildungseinrichtungen wie Kitas, ärztliche Einrichtungen wie Logopädiepraxen und Privathaushalte. Die Bücher gibt es sowohl einzeln als auch als 100er- oder 10er-Set. 3,50 Euro kostet ein Daumenkino, bei großen Bestellungen gibt es Rabatt. 

Besonders das Interesse in Kitas freut die beiden Gründerinnen, da so viele Kinder von Anfang an zumindest die Grundlagen der Gebärdensprache lernen. „Es ist quasi die erste Fremdsprache, die die Kinder lernen", sagt Möller. Zudem würden Studien zeigen, dass durch die Verbindung von Hören und Sehen oder Zeigen auch Kinder ohne Behinderung die Sprache schneller lernen. „Nur wenn alle Kinder, egal ob mit oder ohne Behinderung, miteinander kommunizieren können, schaffen wir Inklusion”, sagt Möller. 

So sehen die Daumenkinos aus, die talking hands produziert. (Foto: Talking Hands)

Künftig wollen die beiden Gründerinnen expandieren und dabei besonders auf inklusive Mitarbeit achten. So überlegen sie, Freundinnen von Jeanne-Marie ebenfalls ins Verpackungsteam zu holen. „Jeanne-Marie, du wirst dann Chefin, wenn wir neue Mitarbeiterinnen bekommen”, scherzt Mohn mit ihrer Schwester. Langfristig wollen die Gründerinnen aus dem Keller der Eltern ausziehen und mit einer Behindertenwerkstatt kooperieren. 

Neben den Daumenkinos planen sie aktuell eine App für Erwachsene, um Gebärdensprache wie eine Fremdsprache lernen zu können. Orientieren wollen sie sich dafür an anderen Apps, die mit Ratespielen arbeiten, um so das Lernen ein wenig spaßiger zu gestalten.

Aktuell finanzieren sie die Entwicklung der App und den Druck der zweiten Auflage der Daumenkinos noch aus eigener Tasche, tüfteln aber bereits an einer Finanzierung, etwa über einen Kredit oder eine Finanzierungsrunde. Klappt das, könnten sie sich langfristig auch vorstellen, in andere Länder zu expandieren. „Das ist aber noch ganz weit weg”, sagt Maria Möller. „Bald müssen wir erst einmal 13.000 Daumenkinos verpacken.”


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