Dieses Start-up will Batterien aus Elektroautos ein zweites Leben einhauchen

Batterien aus Elektroautos haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Das Start-up Voltfang aus Aachen will sie nach ihrem Dienst weiterverwenden. Als Speicher könnten sie womöglich zehn Jahre länger halten. 

Alles begann mit einem Camper, den sich die drei Freunde und Kommilitonen Roman Alberti, Afshin Doostdar und David Oudsandji gemeinsam kauften. Sie fuhren damit auf Festivals quer durch Europa, zu Freunden und in den Urlaub. Doch die Batterie des Campingwagens hielt nicht so lange, wie sich das die drei Männer wünschten. Also bauten sie eine Solaranlage auf das Dach ihres Wagens. „Dann haben wir überlegt, wo wir die überschüssige Energie speichern könnten“, erzählt Oudsandji. Als sie recherchierten, was eigentlich mit ausgedienten Batterien von Elektroautos passiert, stießen sie auf eine unglaubliche Zahl: Nur fünf Prozent der Lithium-Ionen-Akkus in Europa werden überhaupt recycelt. Der Großteil wird einfach verbrannt. 

Dem wollen die drei Gründer aus Aachen ein Ende setzen. Sie fanden schnell heraus, dass Batterien, die von Elektroautos genutzt werden, ab einem gewissen Punkt exponentiell altern. Ändert man allerdings die Nutzung, könnten sie womöglich zehn weitere Jahre leben, schätzen die Gründer. Mit ihrem Start-up Voltfang kaufen sie deshalb alte E-Auto-Batterien von Tesla, BMW und Ford auf und funktionieren sie um. Aus Hochleistungs-Batterien sollen so Heim- und Industriespeicher entstehen.   

Den Recyclingunternehmen möchten sie so noch einmal zehn Jahre Zeit geben, sich passende Konzepte für ausgediente Batterien zu überlegen und umzusetzen – damit diese nicht weiter verbrannt werden müssen. „Wir können den ökologische Fußabdruck der Elektrobatterien massiv verringern“, sagt Oudsandji. Hinter dem Projekt steht aber nicht nur die Vision, die Welt ein wenig nachhaltiger zu machen. Klappt alles so, wie sich die Voltfang-Gründer das vorstellen, könnten die Speicher viele Menschen auch vor der Überlastung von Stromnetzen schützen oder Unternehmen helfen, günstiger Strom zu beziehen.

Die ersten Investoren haben schon angeklopft

Den ersten Prototypen hatten sie schnell gebaut. Seit April 2020 liefert er in einem Privathaus im Umfeld der Gründer Strom. Jetzt suchen die Aachener nach Investoren und Business Angels, um mit der Produktion großflächig loslegen zu können. „Wir bekommen sehr viel Resonanz und das Interesse ist sehr hoch“, sagt Oudsandji. Genaueres will er noch nicht verraten. Aber insgesamt seien sie „mit einer Handvoll“ Venture-Capital-Fonds im Gespräch. Außerdem sei Platz für vier bis sechs Business Angels, auf deren Netzwerk die Gründer gern zugreifen würden. 

In Aachen entsteht derzeit eine Werkstatt, in der die Gründer die Batterien aufwendig auf ihren Zustand checken und danach zu Speichern, den Voltfangs, zusammenschließen. Starten wollen die drei Gründer zunächst mit größeren Industriespeichern. Die seien einfacher zu zertifizieren, erklärt Oudsandji. Erst im kommenden Jahr sollen dann die Heimspeicher folgen. Heimspeicher werden ab 10 Kilowattstunden (kWh) angeboten, Industriespeicher ab 30 kWh.

Wir können den ökologische Fußabdruck der Elektrobatterien massiv verringern.

Gründer David Oudsandji, rechts im Bild

Das zweite Problem, dass Voltfang lösen will, sind die Lastspitzen. Wenn Bäckereien beispielsweise früh morgens alle Geräte einschalten – der Stromverbrauch ist dann wesentlich höher als im Normalbetrieb – müssen sie diese Lastspitzen im Energienetz bezahlen. „Wir haben das für Bäckereien, Landwirte, Hotels und viele weitere durchgerechnet, das sind enorm hohe Zusatzkosten“, sagt Oudsandji. „Da spart man mit zwei, drei Lastspitzenkappungen im Jahr mehrere tausend Euro.“

Die Idee: Unternehmen können die Gewerbespeicher zu günstigeren Strompreisen aufladen. Diese können die gespeicherte Energie abgeben, bevor Lastspitzen anfallen. Für Nutzer hätte sich das Investment in einen Industriespeicher nach drei bis fünf Jahren amortisiert, rechnet der Gründer vor. Eine Bäckereikette hat schon Interesse angemeldet. Sie will sogar in Voltfang investieren. Außerdem seien die drei Gründer mit Lebensmittelketten und Landwirten im Gespräch. Ab 17.000 Euro sind die Industriespeicher zu haben. 

Aktuell bekommen die Gründer ein Stipendium

Auch Privathaushalte könnten in Zukunft die Überlastung des Stromnetzes zu spüren bekommen. Wenn in ein paar Jahren jeder sein Elektroauto ab 18 Uhr laden will, könnte es wahrscheinlicher werden, dass man zu den Zeiten keinen Strom bekommt, fürchtet Oudsandji – vor allem nach dem Ausstieg aus Atomkraft und Kohle, und wenn erneuerbare Energien noch nicht konstant ausreichend Strom erzeugen. Er hofft, dass Heimspeicher dazu beitragen werden, dass das nicht passiert. Sie sollen dann die fehlende Energie ausgleichen, indem sie gespeicherte Energie abgeben. Elektroautos könnte man so ebenfalls aufladen, so seine Vision. Interesse gibt es durchaus. Rund 100 Anfragen hat das Start-up bereits von Eigenheimbesitzern bekommen. 

Bisher bekommt das Start-up das Gründerstipendium NRW, 1.000 Euro erhält dadurch jeder Gründer monatlich. So konnte sich das Trio im ersten Jahr voll auf sein Start-up konzentrieren. Mit dem Digital Hub Aachen erarbeiteten sie zudem einen Businessplan. Ab April wollen die Gründer Geld einsammeln und die Produktion starten. Mit der Finanzierung soll es dann richtig losgehen für Voltfang.


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