Journalismus goes Start-up

In Düsseldorf machen sich Journalisten auf, mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne ein Newsportal zu finanzieren. Sie sind nicht die einzigen. Gelingen solche Projekte langfristig, wäre das ein großes Zeichen für die Branche, die oft als angestaubt gilt. 

Noch haben Hans Onkelbach, Christian Herrendorf, Andreas Endermann und Boris Bartels etwas Zeit, um genügend Geld für ihr neues Projekt einzusammeln. Etwas mehr als 29.500 Euro haben sie bis Mitte April bereits über Startnext bekommen. 40.000 Euro sollen es bis zum 10. Mai werden, damit sie loslegen können. Geht es im bisherigen Tempo weiter, dürften die Gründer von „VierNull“ ihr Ziel allerdings locker erreichen. 

Die Kampagne ist nur der Anfang eines großen Ziels: Einen neuen Journalismus für Düsseldorf wollen sie anbieten. Denn die Berichterstattung in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens wird längst von einem einzigen Verlag dominiert. Düsseldorf ist das unumstrittene Gebiet der Rheinischen Post (RP). Zwar gibt es mit dem Express noch eine zum Dumont-Verlag gehörende Boulevard-Zeitung und auch die BILD berichtet über Düsseldorf, doch bekommen die ebenfalls in der Landeshauptstadt erscheinende Neue Rhein Zeitung (NRZ) und Westdeutsche Zeitung (WZ) längst ihr Material von der RP geliefert.

RUMS, KATAPULT, VierNull: Sie alle wollen den lokalen Journalismus umkrempeln

Die Gründer von VierNull sind nicht die Einzigen, die Crowdfunding als Methode entdeckt haben, um Journalismus zu finanzieren. In Münster etwa ist das Magazin RUMS an den Start gegangen und das Magazin KATAPULT bastelt derzeit an einer Regionalausgabe für Mecklenburg-Vorpommern. Nur drei Regionalzeitungen gibt es in dem Bundesland, die sich ihre Gebiete genau abgesteckt haben. KATAPULT will, genau wie VierNull in Düsseldorf, die Medienlandschaft vergrößern. Über 26.000 Euro hat das Magazin bereits eingenommen. Schafft es die 57.000 Euro-Marke will es auch in Kleinstädten eigene Lokalausgaben auf die Beine stellen. 

Bis zum 10. Mai wollen die Journalisten mindestens 40.000 Euro zusammenbekommen. (Foto: Johannes Boventer)

VierNull konzentriert sich hingegen nur auf Düsseldorf. „Wir wollen die Meinungsvielfalt in unserer Stadt stärken“, sagt Gründer und Fotograf Andreas Endermann. Dazu wollen sie ihr Geschäft anders angehen als die meisten klassischen Lokalzeitungen. „In den zurückliegenden Jahren macht Lokaljournalismus immer weniger Spaß, man hetzt nur noch von Termin zu Termin, hat keine Zeit mehr, den Dingen auf den Grund zu gehen.“

VierNull will ausgeruhte Geschichten anbieten, Themen, für die eine längere Recherche notwendig ist. Das klassische Tagesgeschäft mit vielen kleinen Berichten über Unfälle oder andere lokale Ereignisse wollen sie nicht anbieten. Ein bis zwei große Geschichten planen sie erstmal pro Tag. Hinzu kommt ein Newsletter und ein kurzer abendlicher Überblick über die Nachrichten des Tages. Den ersten großen Text dieser Art haben sie auf ihrer Webseite bereits veröffentlicht, um noch mehr Düsseldorfer von ihrem Projekt zu überzeugen. Es ist eine Geschichte über Leben und Tod, den Kampf einer Düsseldorferin gegen eine Knochenmarkserkrankung und den Kampf ihres Mannes gegen den Krebs.

„Wir wollen die Meinungsvielfalt in unserer Stadt stärken“

VierNull-Gründer und Fotograf Andreas Endermann

Was VierNull vorhat, klingt nach etwas, wovon viele Journalisten wohl träumen: Denn besonders im Lokalen klappt das mit der Zeitplanung für lange Recherchen nur selten. Doch dass das nur so selten funktioniert, hat auch seine Gründe: Der finanzielle Druck, unter dem Verlage stehen, ist hoch. Immer weniger Redakteure müssen täglich mehrere Seiten füllen. Es geht dadurch oftmals um Masse statt Klasse. Das Projekt VierNull in der Landeshauptstadt könnte also zeigen, dass es auch anders geht – und dabei auch Geld verdient.

„Viele Printmedien scheitern daran, ihre Abomodelle ins Digitale zu übertragen“, glaubt Fotograf und Mitgründer Andreas Endermann. Doch so richtig anders will es auch VierNull nicht machen. Geplant sind ebenfalls verschiedene Abos, sei es monatlich oder jährlich. 96 Euro kostet eine Jahresmitgliedschaft, acht Euro ein Abo für einen Monat. Wer möchte, kann als Förderer auch mehr zahlen. Um Leser zu binden, wollen die Gründer stärker mit ihrer Community kommunizieren. Wie genau das aussehen soll, ist allerdings noch nicht klar. Vorbilder gibt es. Das ebenfalls per Crowdfunding finanzierte Online-Magazin Krautreporter etwa fragt seine Leser regelmäßig, welche Geschichten die Journalisten als nächstes recherchieren sollen. Das könnte auch ein Weg für VierNull sein. Aber reicht das an Innovationen für ein lokales Magazin? 

VierNull will das eingenommene Geld komplett reinvestieren

Zumindest um die Nachfrage macht sich Endermann keine Sorgen. Laut einer eigens beauftragten Marktstudie könnten sich über 50 Prozent der Befragten vorstellen für das Magazin zu bezahlen, sagt Endermann. Alles Geld, dass sie einnehmen, wollen sie wieder komplett reinvestieren, um zum Beispiel weitere Autoren zu finanzieren, vielleicht auch zukünftig auf Video- und Podcastformate zu setzen. 

„Wir sind von dem Projekt persönlich finanziell nicht abhängig, streben allerdings hin zur baldigen Wirtschaftlichkeit von VierNull“, sagt Endermann. Das verschafft den Gründern zumindest Zeit, ihr Start-up weiter aufzubauen. Dass ein Investor mit einsteigt, können sich die vier allerdings nicht vorstellen. Auch klassische Anzeigen schließen sie aus. „Wir setzen auf gesundes Wachstum, große Kapitalgeber von außen, wollen wir gar nicht, um unsere Unabhängigkeit beizubehalten“, sagt Endermann.


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